Geschichte

Gründung und Ausbau des Museums

Luise Stüdemann

Die Geschichte Thurnaus ist eng mit dem Töpferhandwerk verbunden und kann quellenkundlich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Als einziger oberfränkischer Töpferort konnte sich die Handwerkstradition mit bis zu acht gleichzeitig arbeitenden Töpfereien ohne Unterbrechung bis in die Gegenwart halten. Hergestellt wurde vor allem Gebrauchsgeschirr aus Irdenware, mit dem Malhorn geschlickert oder mit einer honiggelben bis goldbraunen eisenhaltigen Bleiglasur glasiert. Mit Zuzug des Künstlers Günther Stüdemann 1939, der neue handwerkliche Techniken wie die Fayencemalerei, akademische Arbeitsweisen wie die Entwurfszeichnung oder Versuchsreihen für neue Glasurrezepte einführte, vollzog sich ein Wandel in der Produktion und eine Erneuerung des Töpferhandwerks: Während in anderen Gegenden Mitteleuropas die großen Töpferzentren einen Niedergang erlebten und zahlreiche Werkstätten aufgeben mussten, erfanden sich die Thurnauer Töpfer neu und erweiterten ihr Repertoire um kunsthandwerkliche Erzeugnisse, die ihnen neue Käuferschichten erschlossen. Noch heute arbeiten sechs Töpfereien am Ort.

Zur Dokumentation ihrer Erzeugnisse wurde Ende der 1970er Jahre mit der Planung eines Museums begonnen. Bereits 1978 wurde das Gebäude der ehemaligen Lateinschule von der Marktgemeinde Thurnau für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Treibende Kraft bei der Umsetzung war die Ehefrau Günther Stüdemanns, Luise Stüdemann. Ein Großteil der Sammlung stammt aus dem Besitz des Ehepaares, das fast ein halbes Jahrhundert regionale Töpfererzeugnisse, Schrift- und Bildmaterial sammelte, um die Thurnauer Töpfertradition in ihrer Vielfalt und Ausprägung zu dokumentieren. 1982, ein Jahr nach dem Tod Günther Stüdemanns, wurde das Museum feierlich eröffnet. Luise Stüdemann leitete das Museum noch 12 Jahre.

In den folgenden Jahrzehnten erfolgte in mehreren Bauabschnitten ein steter Ausbau des Museums. 2014 wurde die Ausstellung noch einmal vollständig überarbeitet und didaktisch aufbereitet. Ein Depot wurde errichtet und ein museumspädagogischer Bereich samt Tonwerkstatt eingerichtet. Heute erstreckt sich das Museum über eine Gesamtfläche von über 600 m². Neben der staatlichen Förderung wurde die Errichtung und der Ausbau des Töpfermuseums unter anderem durch die Oberfrankenstiftung, den Landkreis Kulmbach, die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in München, das EU-Förderprogramm Leader und den Verein zur Förderung des Thurnauer Töpfermuseums unterstützt. Die Trägerschaft hat die Marktgemeinde Thurnau übernommen.